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Für alle, die immer noch glauben, dass der Trabi komplett aus Pappe
zusammengeklebt ist gibt es hier mal eine nette Skizze:

In Wirklichkeit ist es eine High-Tech-Karosserie die heute in ähnlicher Form
selbst bei Mercedes zum Einsatz kommt. ;-) Es handelt sich hier um einen
Plattformrahmen und ein Stahlblechgerippe (hier gelb dargestellt) die beide
miteinander verschweißt sind. Die so genannten
Beplankungsteile oder auch die Außenhaut (in der Abbildung blau) besteht aus
einem Duroplast - Material, genauer aus Phenolharz und Baumwollabfällen, der so
genannten Pappe. Der P70, der unmittelbare Vorgänger aller Trabanten, hatte
einen noch ausgefallenere Art seine Insassen vor Wind und Wetter zu schützen.
Wegen des westlichen Rohstoffembargos war es schwierig die für die Karosse
benötigten Tiefziehbleche zu bekommen. Aus dieser Not heraus lief 1955 also der
erste Wagen aus der Baureihe mit dem vorangestellten Kürzel "P" für "Plaste" vom
Band. Die Karosse des P70 bestand aus Holzschliff, Baumwollabfällen und PVC und
wurde durch einen Holzrahmen zusammengehalten. Beides platzierte man dann auf
einen Doppelprofilrohrrahmen und fertig war das erste "Plasteauto". Bei den
ersten dieser Art gab es einige Probleme mit dem Lack. Der hob sich mit der Zeit
ab, da bestimmte Teile der Baumwollabfälle anfingen sich auszudehnen. Außerdem
kam es bei vielen zur Fleckenbildung (Durchbluten) des Lackes, der sich aufgrund
der aus der Plastikkarosse austretenden Dämpfe verfärbte. Diese Probleme wurden
nach und nach behoben.
Beschreibung
(siehe Bild oben)
Beim Kleinwagen ist
man bestrebt, durch leichte Rahmen- und Karosseriegestaltung ein möglichst
günstiges Leistung-Masse-Verhältnis (Motorleistung-Gesamtmasse des fahrzeugs)
zu erzielen.
Die Karosserie des Trabant stellt einen guten Kompromiss zwischen den
Forderungen bezüglich Leichtbau und Sicherheit dar. Die "selbsttragende"
Karosserie besteht aus dem Karosserieboden, dem Karosseriegerippe
und der Plastikverkleidung.
Der profilierte Plattformrahmen ist mit den profilierten Blechteilen des
Gerippes verschweisst. Der Triebwerkblock ist auf einem an der Bodengruppe
befestigten Hilfsrahmen montiert. Eine zweckentsprechende Formgebung der
Bleche des Bodens und des Gerippes garantiert für die gesamte Karosserie eine
hohe Festigkeit. Die Beplankung des Gerippes besteht aus einem Duroplast, der
seit 1955 verwendet wird und sich ausgezeichnet bewährt hat. Die Einzelteile
wie Dach, Kotflügel, äussere Türhaut, Motorhaube und Kofferraumklappe sind an
das gerippe montiert und können im Bedarfsfall einzeln ausgewechselt werden.
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Die zugeschnittenen Vliese wurden manuell
in die Pressen eingelegt und als fertige Teile
herausgenommen.
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Duroplast-Herstellung
Die Plastteilfertigung
entstand in einer neben dem Audi-Werk gelgenen ehemaligen Textilfabrik.
Fünf Schichten von Baumwollfasern werden in einer Krempelmaschine jeweils zu
einem fellartigen Stoff, einem Vlies, verarbeitet. Jede Schicht wird in der
zweiten Station der Herstellung mit Phenolharzteilchen bestreut. Die
Legeanlage, die dritte Station, legt die verschiedenen Schichten übereinander.
Anschliessend wird das so entstandene Vormaterial (46 % Baumwollfasern, 52 %
Phenolharz und 2 % Trennmaterialien) unter einer Druckwalze durchgeführt und
in Längs- und Querrichtung in passende Stücke geschnitten. Die Vliesstrasse
war bei der Entwicklung und bei der Weiterentwicklung während schon laufender
Produktion der grosse Schritt zur Rationalisierung. im Werk existierten vier
Vliesstrassen.
Der Pressvorgang wird eingeleitet durch das manuelle Einlegen des
geschnittenen Vormaterials. Das obere Gesenk der Oberdruckpressen besteht aus
Hartgummi, das untere aus Stahl. Beide werden mit 240 °C heissem Wasser
(Dampf) beheizt. Die Heizzeit beträgt 6 Minuten, zusammen mit der Abkühlung
datiert der Pressvorgang zehn Minuten und tolerierte je nach Größe der
Preßteile um einige Minuten. Temperatur und Druck (400 Tonnen) verbinden dabei
Baumwolle und Phenolharz zum gewünschten Material, das in seine endgültige
Form gepresst wird.
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Zehn Aussenteile weist
die Beplankung der Trabant-Limousine 601 auf:
Kühlerattrappe, Vorderkotflügel, Motorhaube, Türen, Dach, Hinterkotflügel
und Kofferraumklappe. |
Um Duroplastteile zu verbinden, fand
man, nachdem zunächst mechanische Halterungen benutzt worden waren, geeignete
Klebstoffe aus DDR-Produktion. Über die Vliesstrassen liefen im Jahr bis zu
5.000 Tonnen Vormaterial, aus den Pressen kamen maximal 1,5 Millionen
Kunststoff-Aussenhautteile. Allerdings existierten anfangs nicht für alle
Teile geeignete pressen. So hatte z. B. der Kombi des P 60 ein Dach aus Stahl.
Die Frage der Wirtschaftlichkeit
Die lange Aufheiz- und Abkühlungsphase von zehn Minuten stellte einen
gravierenden Nachteil dar. Die Stückzahlen sind bei dieser Fertigungsmethode
durch die Zeit oder die Anzahl der Pressen begrenzt. Obwohl der "VEB
Sachsenring" 71 Pressen für die Karosseriebeplankung aufgestellt hatte, blieb
die Aufheiz- und Abkühlungsphase der Engpass in der Produktion.
Das Problem der Wirtschaftlichkeit gewann immer mehr an Bedeutung, als Stahl
grundsätzlich aus landeseigener Herstellung verfügbar gewesen wäre, die
Umstellung auf Tiefziehblech jedoch nicht erfolgte. Bis zu einer Stückzahl von
80.000 Fahrzeugen im Jahr war die Duroplast-Produktion wirtschaftlicher als
die Stahl-Produktion.
Aber bereits im Jahr 1969 hatte die Produktion des Trabant die Marke von
80.000 Autos überschritten. Und hier hätte wohl die Produktion von Duroplast
auf Stahl umgestellt werden müssen. Am Ende seiner Ära wurden im jahr ca.
150.000 Autos hergestellt. Wohl auf Grund der Bedeutung der Stückzahlen,
setzte sich Duroplast auf dem Weltmarkt nie durch.
Eigenschaften
Duroplast hatte die erhofften und gewünschten Eigenschaften. Ausführliche
Testfahrten in extremen Klimagebieten von Ägypten, China, am Mittelmeer sowie
am nördlichen Polarkreis ergaben eine sehr hohe Strapazierfähigkeit, die sich
bis heute in der unbestrittenen Haltbarkeit (auch bei sehr alten Exemplaren)
des Trabant niederschlägt. Ausserdem ist Duroplast geräuschdämmend und besitzt
eine hohe Elastizität.
Duroplast korrodiert nicht. Bei der schlechten Ersatzteillage, blieb der
Trabant wenigstens an den äusseren Karosserieteilen von Rost verschont.
Die Fertigmasse aller Kunststoffteile ist sehr niedrig. So wiegen alle Teile
einer Limousine 601 nicht mehr als 32 kg und die eines Universal 32,4 kg.
Duroplast bietet die Möglichkeit zu weitgehender Selbstreparatur im Falle
eines Schadens. Kratzer und Schrammen an der Oberfläche werden erst aufgerauht,
mit speziellem Kleber zugeklebt und anschliessend die Stelle mit Schleifpapier
wieder glattgeschliffen. Selbst Risse und Sprünge (auch nach dem Einfügen
abgebrochener Stücke) lassen sich mit Klebstoff beheben, wobei an der
schadhaften Stelle von innen ein Stück Blech angebracht werden sollte.
Quellen:
Meissner, Wie helfe ich mir selbst!, VEB Verlag
Technik, 1974
Matthias Röcke, "Die Trabi-Story", 1998 Heel Verlag
GmbH
www.jhk1.de
Prof. Dr.-Ing. F. Meißner, "Du und Dein Trabant"
das Informationsblatt für Trabantfahrer
Mitgliederzeitschrift des Internationalen Trabant-Registers "Inter Trab" e.V.
Ausgabe Nummer 32, Sommer 1997
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