Tuninganleitung Trabant

Leistungssteigerung des Motors P 63 auf ca. 36PS

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Mit der vorliegenden Anleitung werden Ihnen Hinweise, wie die Leistung des serienmäßigen Motors P 63 gesteigert werden kann, gegeben. Besonderen Wert wird darauf gelegt, dass der erforderliche Änderungsumfang und die Lebensdauer des Motors in vertretbaren Grenzen bleiben.
Die Operation an den Kanälen und Schlitzen wird mit Fräsern, Schleifsteinen, Schmiergelleinen und einer Schleifvorrichtung mit biegsamer Welle ausgeführt. Gute Dienste, vor allem bei der Bearbeitung der Überströmkanäle, leisten ca. 15 mm breite Feilen, die entsprechend gebogen werden müssen.
Die Arbeiten an den Auspuffanlagen sollten möglichst von einem erfahrenen Klempner ausgeführt werden.
Voraussetzung ist eine genaue und saubere Arbeit. Man kann dann mit folgenden Werten rechnen:
- max. Leistung: ca. 35 PS bei 4800 - 5000 U/min
- max. Drehmoment: 5,8 - 6 kpm bei 3900 - 4100 U/min.
Wegen der höheren Fahrleistung ist besonderes Augenmerk auf eine gut funktionierende Bremsanlage und auf ein einwandfreies Fahrwerk zu legen.

Maßnahme zur Leistungssteigerung

Nachfolgend wird beschrieben, wie die Leistung eines serienmäßigen Motors P 63 auf ca. 35 PS gesteigert werden kann. Erforderlich sind hierzu neue Zylinderköpfe und ein neuer Auspuffhauptschalldämpfer. Die noch zu ändernden Bauteile können nachgearbeitet werden.
Mit den serienmäßigen Zylinderköpfen kann durch Nacharbeit nur eine Verdichtung von 9,0 und eine Leistung von ca. 32 PS erreicht werden.

1. Kurbelgehäuse

Der Durchlass des Ansaugkanals im Kurbelgehäuse ist zu vergrößern. Dazu wird der Kanal 50 mm vom Flansch aus gemessen, auf 28 mm Durchmesser aufgebohrt und dann in der Höhe und Breite erweitert. Als Hilfsmittel dient eine Lehre des senkrechten Kanalquerschnittes. Beim Schleifen der Kanalunterseite wird ein Sackloch, welches unter dem Ansaugstutzen liegt, angeschnitten. Das dadurch entstandene Loch ist mit Metallkleber zu verschließen.
Die Einlassöffnungen in die Kurbelräume sind in Drehrichtung der Kurbelwelle 3 mm zu verlängern und in der Höhe ca. 1 mm zu vergrößern. Bei der letzten Operation ist zu beachten, dass die Höhe der vom Drehschieber überdeckten Dichtfläche 2 mm nicht unterschreiten. Die Querschnitte der beiden zu den Kurbelräumen führenden Kanäle sind entsprechend den Einlassöffnungen zu vergrößern. Der Ansaugkanal muss völlig glatt sein. Er darf keine Unebenheiten und kantige Übergänge haben.
Die Ansaugwege sind soweit als möglich zu polieren. Die Gusskante zwischen der Drehschieberauflagefläche und dem Kurbelraum ist nach der neuen Einlassöffnung auszusparen.

2. Zylinder, Kurbelwelle und Schwungscheibe

Für die Leistungsgesteigerte Ausführung ist es ratsam, eine Kurbelwelle mit Nadelgelagerten Kolbenbolzen und Labyrinthabdichtungen einzubauen. Der Nadelgelagerte Bolzen ist Bedingung. Eine Welle mit Simmering-Abdichtung kann, wenn nicht anders möglich, ebenfalls verwendet werden. Die Schwungscheibe und die Keilriemenscheibe auf der Kurbelwelle sind nach Möglichkeit auszuwuchten.
Der Querschnitt der Überströmkanäle ist zu vergrößern. Das geschieht, indem man an der zylinderseitigen Wand, vor allem im oberen, bogenförmigen Teil des Kanals, Material von Leichtmetallguss abträgt. Von der Außenwand ist ca. 1,5 mm abzuschleifen. Die Wandstärke darf jedoch 1,5 mm nicht unterschreiten.

Vorsicht beim Schleifen ! Wandstärke laufend messen !

Sämtliche Unebenheiten in den Kanälen sind zu entfernen und die Kanäle soweit als möglich zu polieren. Die Einströmwinkel und die Abmessungen der Überströmschlitze werden nicht verändert. Sie sind lediglich zu kontrollieren und erforderlichenfalls zu korrigieren. Zur Kontrolle sind auf einer Scheibe die Einströmwinkel und die Kanalbreiten anzureißen. Die Scheibe wird nach dem Auspuffkanal ausgerichtet und mittels einer Halterung an den Stiftschrauben für den Zylinderkopf befestigt. Die Kontrolle der Einströmwinkel- bzw. -richtung erfolgt mit einem abgewinkelten Lineal, das an der Kanalwand angelegt wird.
Die Oberkante des Auslassschlitzes wird bis auf 46 mm (40 mm bei Verdichtung 9) von der Oberkante Zylinder gemessen, hochgezogen und um Kolbenringbrüchen vorzubeugen, bogenförmig ausgebildet. Der Anlasskanal verläuft von der neuen Schlitzoberkante gerade bis zur serienmäßigen Auslassöffnung. Die Gussstufe an der Kanalunterseite wird begradigt. Dabei ist zu beachten, dass die Schlitzunterkante nicht verändert wird. Der Kanal muss völlig glatt sein, er ist abschließend zu polieren.
Die Breite des Auslaßschlitzes wird nicht verändert. Die Unter- und Oberkante des Schlitzes müssen angefast werden. Bei der Bearbeitung der Kanäle und Schlitze ist darauf zu achten, dass die Zylinderlauffläche nicht beschädigt wird. Bei im unteren Totpunkt stehenden Kolben ist zu kontrollieren, ob die Oberkante des Kolben und die Unterkante der Schlitze übereinstimmen. Abweichungen sind am Kolben zu korrigieren.

3. Kolbeneinbauspiel

Wegen der höheren thermischen Belastung ist bei einem neuen Motor das Kolbeneinbauspiel auf 0,03 bis 0,04 mm durch Honen des Zylinders zu vergrößern. Die Außenkontur des Kolbens darf nicht verändert werden. Bei eingelaufenem Motor (mindestens 4000 - 5000 km) ist das Nachbohren nicht erforderlich. Die Kanten an der Lauffläche der Kolbenringe sind mit einem Ölstein zu brechen.

4. Abdichtung des Kurbelgehäuses und des Zylinderfußes

Die Trennfläche des Kurbelgehäuses und die Fläche zwischen dem Kurbelgehäuse und den Zylindern müssen unbedingt dicht sein. Auf der Dichtfläche des Kurbelgehäuseoberteils und des Kurbelgehäuseunterteils wird dünn Dichtmasse oder farbloser Lack aufgetragen. Für die Abdichtung oder Dichtmachen des Zylinderfußes ist unbedingt die serienmäßige Dichtung aus gravitiertem Kautasit zu verwenden.

5. Zylinderkopf

Die Verdichtung ist auf 10,4 zu erhöhen. Dazu müssen neue Zylinderköpfe aufgebaut (aufgeschweißt) werden. Durch Nacharbeit der serienmäßig verwendeten Zylinderköpfe kann nur eine Verdichtung von 9,0 erreicht werden. Da der serienmäßige Zylinderkopf im Druckverfahren hergestellt wird, kann es beim Abdrehen vorkommen, dass auf der Dichtfläche Lunker abgeschnitten werden und eine einwandfreie Abdichtung nicht mehr gewährleistet wird.
Es ist ratsam, erst 2 mm abzudrehen und die Fläche auf Lunker zu untersuchen. Große Lunker müssen aufgebohrt werden und mit einem Leichtmetallstab vernietet werden. Danach erfolgt die Fertigbearbeitung der Dichtfläche. Zur Prüfung der Verdichtung wird, mit im oberen Totpunkt stehende Kolben und eingebauter Kopfdichtung, bis zur Oberkante Kerzenbohrung Öl in den Verbrennungsraum gefüllt.
Die Ölmenge ist bei einer Verdichtung 10,4 (neuer Zylinderkopf) 33,5 cm³ und bei einer Verdichtung 9 (serienmäßiger Zylinderkopf abgedreht) 39 cm³. Der Unterschied zwischen beiden Zylinderköpfen darf nicht mehr als 0,5 cm³ betragen.

6. Zylinderkopfabdichtung

Zur besseren Abdichtung sind Zylinderkopfdichtungen aus 0,5 mm starkem Cu-Blech zu verwenden (Abmessungen der Serienausführung).

7. Vergaser

Verwendet wird der serienmäßige Vergaser 28 HB 2, der wie folgt verändert wird: Der eingegossene Lufttrichter ist auf den Durchlass des Vergasers (28 HB) auszudrehen. Die durch Prüfungsversuche ermittelte Düsenbestückung ist: Hauptdüse HD: 155 (140 bei Verdichtung 9), Ausgleichsluftdüse ALD: 60.
Die ALD Größe 60 ist nicht handelsüblich. Sie muss angefertigt werden, indem eine serienmäßige ALD Größe 150 zugelötet und 0,6 mm aufgebohrt wird.
Die angegebene Einstellung ist jedoch nicht für jeden Motor gültig. Da durch die Leistungssteigerung Unterschiede möglich sind, kann eine genaue Abstimmung nur auf dem Prüfstand durch Messungen erreicht werden. Bedingt möglich ist es auch durch eine Probefahrt mit eingelaufenem Motor. Die HD wird nach dem Kerzenbild und der Klingelneigung variiert. Zu beachten ist, dass der Motor bei Volllast ab 80 km/h im 4. Gang nicht klingelt. Für das Start- und Leerlaufsystem wird die serienmäßige Düsenbestückung beibehalten.
Der Durchflussquerschnitt des Schwimmernadelventils ist zu vergrößern, indem auf der Ausflussseite noch ein oder zwei Löcher gebohrt werden. Die für den Sportmotor erforderliche HD zieht bei niedriger Drehzahl und Teillast ein überfettetes Kraftstoffluftgemisch nach sich. Es wird deshalb empfohlen, das Schwimmergehäuse mit einer Außenbelüftung zu versehen. Dazu ist dem Schwimmergehäusedeckel ein Stutzen aus Rohr 6 x 2 einzuschrauben und mit einer Mutter zu kontern. In den Ansauggeräuschdämpfer wird ein Stutzen aus Rohr 6 x 1 neben und in Richtung der Ansaugleitung zum Motor hart einzulöten. Als Verbindungsteil zwischen den Stutzen dient ein Stück Kraftstoffschlauch. Die zur Belüftung des Schwimmergehäuses dienende Originalbohrung muss durch einen Gewindestift M5 verschlossen werden.
Bei Verwendung der serienmäßigen Auspuffanlage ist die Hauptdüse des Vergasers zu ändern. Für den Motor mit Verdichtung 10,4 die Größe 135 - 140 und die Leistung verringert sich auf 31 PS. Beim Motor mit Verdichtung 9 die Größe 130 - 135 und dann verringert sich die Leistung auf ca. 28,5 PS.

8. Luftfilter

Änderungen am Ansauggeräuschedämpfer sind nicht notwendig. Es ist lediglich darauf zu achten, dass der Luftfilter immer sauber ist.

9. Auspuffanlage

Für die Auspuffanlage wird ein serienmäßiger Vorschalldämpfer benötigt. An diesem wird das serienmäßige Abgangsrohr abgetrennt und ein Rohr mit einem Durchmesser 45 x 1,5 mm eingeschweißt (Länge wie serienmäßig). Das Zwischenrohr zum Nachschalldämpfer ist auf den größeren Durchmesser des Abgangsrohres einzustellen (ebenfalls 45 x 1,5 mm, Länge wie serienmäßig).
Etwa 15 cm vor dem Nachschalldämpfer geht das Zwischenrohr mit einem 70 mm langen konischen Zwischenstück in das originale Eingangsrohr (35 x 1,2 mm) über.
Beim Einschweißen des neuen Abgangsrohres des Vorschalldämpfers ist der Heizungsmantel zu entfernen, der nach erfolgter Umarbeitung wieder montiert wird.
Zur Dämpfung des höheren Auspuffgeräusches kann hinter dem Nachschalldämpfer noch ein Nachdämpfer vom Wartburg 311 oder ein Zusatzdämpfer vom Wartburg 353 eingebaut werden. Bei der Verlegung der Endrohre sind die Bestimmungen der StVZO zu beachten, nach denen u.a. das Auspuffrohr nach hinten oder nach links bis zu einem Winkel von 45° zur Längsseite des Fahrzeuges gerichtet werden kann. Es darf nicht über die seitliche Begrenzung des Fahrzeugs hinausragen.
Es ist zu prüfen, ob die Konturen der Auspufföffnung am Zylinder und des Auspuffkrümmers übereinstimmen. Die Gussabweichungen sind zu beseitigen.

10. Elektrische Anlage

Die Zündung ist bei voll ausgerückten Fliehgewichten auf 3,5 mm vor OT einzustellen. Der Zündzeitpunkt kann, falls der Motor nicht klingelt, auf 4 mm vor OT verlegt werden. Es wird empfohlen, einen festen Zündzeitpunkt einzubauen. Wegen der höheren Drehzahl und der damit verbundenen höheren Temperatur am Unterbrechernocken, sollten Unterbrecher mit einem Isolierteil aus Hartgewebe eingebaut werden. Für Sportveranstaltungen und Fahrten mit hoher Motorbelastung sind Zündkerzen Typ Isolator RM 12-300 zu verwenden. Für den Alltagsverkehr und den Winterbetrieb genügen die Zündkerzen M 14-260 / M 14-225 (gerillter Schaft).
Die Sportzündkerzen neigen wegen ihrer höheren Wärmewerte bei geringerer Belastung und niedriger Betriebstemperatur zum Verölen. Die Keilriemenscheibe auf der Lichtmaschine ist unbedingt auszuwuchten. Eine unausgewuchtete Keilriemenscheibe kann wegen der höheren Drehzahl des Sportmotors. Die Sportzündkerzen neigen wegen ihrer höheren Wärmewerte bei geringerer Belastung und niedriger Betriebstemperatur zum Verölen. Die Keilriemenscheibe auf der Lichtmaschine ist unbedingt auszuwuchten. Eine unausgewuchtete Keilriemenscheibe kann wegen der höheren Drehzahl des Sportmotors zum Bruch der Lichtmaschinenbefestigung führen.

11. Kühlung

Die Fördermenge des Kühlluftgebläses ist auch für die Leistungsgesteigerte Ausführung ausreichend. Änderungen am Kühlluftgebläse und am Antrieb sind deshalb nicht erforderlich. Ebenso kann das senkrechte Ableitblech am Kühlluftgebläse weiter verwendet werden. Zur Geräuschdämpfung wird empfohlen, das Kühlluftgebläse und Ableitblech innen und außen mit Antidröhn zu behandeln, oder die serienmäßige Schallschluckhaube zu benutzen.

12. Betriebsmittel und Fahrweise

Für den Betrieb des Sportmotors kann der z.Z. handelsübliche Kraftstoff verwendet werden. Als Schmiermittel wird ungefettetes Rennmotorenöl empfohlen, das dem Sprit, wie üblich, im Verhältnis 1 : 33 1/3 beigemischt wird.
Längeres Fahren im Teillastbereich bei Geschwindigkeiten ab 80 km/h vermeiden ! Ab dieser Geschwindigkeit sind die Drehzahlen und die Belastung des Motors des Öfteren zu wechseln.

Alle Angaben Ohne Gewähr.

 

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Quellen:
Meissner, Wie helfe ich mir selbst!, VEB Verlag Technik, 1974
Matthias Röcke, "Die Trabi-Story", 1998 Heel Verlag GmbH 

www.jhk1.de 
Prof. Dr.-Ing. F. Meißner, "Du und Dein Trabant" das Informationsblatt für Trabantfahrer
Mitgliederzeitschrift des Internationalen Trabant-Registers "Inter Trab" e.V.
Ausgabe Nummer 32, Sommer 1997

Technik und Motorsport www.trabatini.de

 

 
Daten
Allgemeine Daten
Trabant P 70
Trabant P 50
Trabant 601er
Trabant 1.1er
Technik
Allgemeine Technik
Motor u. Getriebe
Lenkung und Bremsen
Karosserie
Fahrwerk
Elektrik
Vergaser 28 H1
Motorsport:
RS 800